16. Mai 2019

Streuobstkongress Birnen.Leben 2019 war voller Erfolg

Namhafte Experten aus dem In- und Ausland waren am zweiten internationalen Streuobstkongress „Birnenleben“ von 2. bis 3. Mai im Stift Seitenstetten zu Gast und diskutierten über aktuelle Themen rund um die Birne.
Streuobstwiesenbestand sinkt drastisch
Den fachlichen Teil des Kongresses eröffnete Katharina Varadi-Dianat von der ARGE Streuobst am Donnerstag. Im Vortrag zum Thema „Entwicklung der Streuobstbestände in Österreich und Europa“ wies sie darauf hin, dass 3000 bis 5000 verschiedene Tierarten in Streuobstwiesen ihren Lebensraum finden können.
Danach gaben Mag. Dr. Martin Schönhart von der BOKU und Christian Steiner und Franz Lumesberger von der Niederösterreichischen Agrarbezirksbehörde in Ihren Vorträgen Anstöße, wie viele Streuobstwiesen in den letzten Jahren verschwunden sind. Dr. Martin Schönhart gibt einen Rückgang der Streuobstwiesen um bis zu 70 Prozent seit den 60er Jahren an. Nach der Schweiz sei der Rückgang im Mostviertel in diesem Zeitraum am höchsten. Christian Steiner von der NÖ Agrarbezirksbehörde berichtet auch von etwa 37 Millionen Obstbäumen, die 1950 noch gezählt wurden. Franz Lumesberger von derselben Behörde ist in die jährlich stattfindenden Baumpflanzaktionen involviert. Ziel dieser Aktionen ist die Verjüngung des Baumbestandes und der Aufbau vitaler Bestände.

Regionale Vielfalt neu entdeckt
Nach einer kurzen Mittagspause stellten DI Dr. Martina Schmidthaler und DI Gerlinde Handlechner ihr Moststraßenprojekt Sortenvielfalt vor. Dabei wurden in den letzten 2 Jahren über 2000 Mostbirnen und –apfelproben bestimmt und dokumentiert. Pünktlich zum Streuobstkongress veröffentlichten sie das Sortenbestimmungsbuch „Äpfel & Birnen - Schätze der Streuobstwiesen. Darin sind alle im Mostviertel gefundenen Apfel und Birnensorten aufgelistet und abgebildet. Abschließend berichteten DI Florian Schublach und Heribert Pfeffer vom Naturpark Ötscher-Tormäuer ebenfalls über die Sortenvielfalt.
Den letzten Fachblock des ersten Tages eröffnete DI Martin Degenbeck von der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau. Er sprach, genauso wie DI Dr. Lothar Wurm von der HBLA und vom Bundesamt für Wein und Obstbau Klosterneuburg nach ihm, über innovative Bewirtschaftungen im Streuobstbau.
Der Abschlussvortrag am 2. Mai fand nicht im Stift in Seitenstetten, sondern beim Mostheurigen Hansbauer in Haag statt. Heinz Wiesbauer vom Ingenieurskonsulent für Landschaftsplanung und Landschaftspflege berichtet über die Wichtigkeit der wilden Bienen und die große Artenvielfalt. Danach konnten die Kongressteilnehmer bei einem Jausenbuffet mit regionalen Schmankerl aus dem Mostviertel den Tag ausklingen lassen und neue Kontakte knüpfen.

Internationale Vortagende zu Gast in Seitenstetten
Am zweiten Tag des Kongresses drehte sich alles um die Ciderproduktion rund um die Welt. Aus diesem Grund wurden führende Produzenten aus Kanada, Estland und Frankreich eingeladen. Moderator Jürgen Schmücking brachte auch erstklassige Produkte von Eric Bordelet aus Frankreich und Proben des Estländers Jaanhihanso Estonia Craft Ciders auf den Tisch. Der Kanadier Claude Jolicouer wird als der „Ciderpapst“ gefeiert, der beinahe alle Geheimnisse der Ciderherstellung zu kennen scheint. Er mahnte, auch die Biodiversität im mikrobiologischen Bereich zu achten und die Arbeit mit Reinzuchthefen nicht zu übertreiben.
Mathias Weis als Projektleiter von „Innovation Most“ und Manfred Gössinger von der HBLA für Wein- und Obstbau stellten zwei Versuche aus einem Projekt zur Herstellung von Birnenwein, der sich von der klassischen Herstellung von Most distanziert, vor. Der Ausbau des Birnensaftes findet hier mit Reinzuchthefen im Barriquefass statt.

Streuobstwiesen durch ihre Nutzung erhalten
Den letzten fachlichen Input machten DI Dr. Harald Rötzer von der AVL und Mag. David Bock und Mag. Martin Pollheimer von der coopNatura. Sie riefen allen Teilnehmern nochmals ins Gedächtnis, dass der sicherste Weg, die Streuobstwiesen zu erhalten, die Nutzung derer wieder mehr zu beleben sei.
Der Abschluss des Kongresses fand im Promulgationssaal des Stift Steitenstetten statt. Der Naturfotograf und Autor Conrad Amber trug seinen Vortrag „Baumwelten – Die Schatzkammer des Mostviertels“ vor. Conrad Amber setzt sich für die Erhaltung von Bäumen ein. Viel zu schnell werden Bäume gefällt, obwohl sie wichtige Schatten und Wasserspeicher sind und sogar große Menge an Feinstaub binden können.